EHI-Studie: Verschwinden klassische E-Commerce-Interfaces zunehmend?
Wer: Das EHI Retail Institute. Was: Eine Auswertung der Studie „Trends im E-Commerce 2023“ und ihre Bedeutung für die Gegenwart. Wann: Ergebnislage aus 2023, mit Blick auf Entwicklungen bis 2028 und Relevanz im laufenden digitalen Wandel. Wo: Deutschland, mit Rückwirkungen auf den europäischen Markt. Warum: Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, Konsolidierung und veränderten Kundenerwartungen stellen die klassische Benutzeroberfläche von Shops infrage.
Wie KI und Automatisierung traditionelle Benutzeroberflächen im E-Commerce verändern
Die EHI-Studie benennt Vier Megatrends als zentrale Treiber: Profitabilität, Konsolidierung, KI und Nachhaltigkeit. Entscheider sehen in der Technologischen Entwicklung vor allem Chancen für Shopmarketing, CRM und Forecasting: Rund 89,5 Prozent schätzen KI-Potenziale für Marketing, 85,4 Prozent für IT und 83,7 Prozent für Forecasting.
Vom Produktseiten-Layout zu KI-gesteuerten Einkaufspfaden
Statt sich primär über klassische Navigationen und Produktseiten zu differenzieren, setzen Anbieter zunehmend auf KI-gestützte Empfehlungen und kontextuelle Interfaces, die Such- und Kaufprozesse verschmelzen. Diese Entwicklung beeinflusst die Usability: Online-Shopping wird personalisierter, während die sichtbare Benutzeroberfläche zugunsten hinter den Kulissen agierender Agenten weniger dominant erscheint. Ein weiterführender Überblick zu Datenquellen und KI auf Produktseiten findet sich bei Datenquellen und KI auf Produktseiten.

Insight: Die klassische Shop-Oberfläche verändert sich nicht über Nacht, sie wird durch KI-Schichten ergänzt, die das Kundenerlebnis gezielt steuern.
Marktstruktur, Konsolidierung und die Folgen für Usability und Mobile Commerce
Mehr als drei Viertel der Befragten erwarten eine Konsolidierungswelle im E-Commerce, die besonders kleine und mittlere Händler sowie die Segmente Bekleidung, Schuhe und Unterhaltungselektronik treffen dürfte. Für viele Anbieter wird damit die Frage drängender, wie sie ihr Kundenerlebnis skalierbar und gleichzeitig profitabel gestalten.
Mobile-first, App-Fokus und veränderte Erwartungshaltungen
Plattformen, die früh auf Mobile Commerce und integrierte Zahlungslösungen gesetzt haben, schneiden in Usability-Tests oft besser ab. Die Studie zeigt, dass Kaufkraft, Konsumlaune und Inflation als die drei größten Einflussfaktoren gelten (jeweils rund 96,2, 95,2 und 91,3 Prozent). Händler müssen deshalb Interfaces liefern, die auf mobilen Endgeräten intuitiv funktionieren und gleichzeitig die Kosten pro Conversion drücken.
Insight: Die Kombination aus konsolidiertem Wettbewerb und steigender Mobile-Nutzung zwingt Händler zu Investments in Usability und performante Backend-Architekturen.
Nachhaltigkeit, Re-Commerce und die Konsequenzen für das Design von Shops
Nachhaltigkeit hat sich laut ergänzender Studien zu einem kaufentscheidenden Faktor entwickelt: Etwa 45 Prozent der Konsument:innen nennen ökologische Aspekte als wichtig bei der Wahl des Händlers. Jüngere Käufergruppen (19–29 Jahre) kaufen häufiger bei Re-Commerce-Anbietern, was den Anteil von Käufen bei solchen Händlern auf rund 18,4 Prozent hebt.
Interface-Design als Ausdruck von Unternehmensethos
Die Präsentation von Lieferoptionen, Produktlebenszyklen und Second‑Hand-Angeboten wird Teil der Digitalisierung und des Markenauftritts. Technisch bedeutet das: Schnittstellen müssen Nachhaltigkeitsinformationen klar darstellen, Rückgabe- und Reparaturservices integrieren und den Nutzern transparente CO2-Angaben bieten. Für Händler ist dies nicht nur Marketing, sondern ein funktionaler Bestandteil der Usability.
Insight: Händler, die Nachhaltigkeit in ihre Benutzeroberfläche und Kaufstrecken einbinden, stärken Kundenbindung und Differenzierung gegenüber reinen Preiswettbewerbern.
Kurz gefasst: Die Frage, ob klassische E-Commerce-Interfaces verschwinden, lässt sich so beantworten: Sie wandeln sich. Sichtbare Oberflächen bleiben wichtig, verlieren aber ihre Alleinstellung zugunsten von KI-gesteuerten Schichten, Mobile-first-Erwartungen und nachhaltigkeitsorientierten Funktionen. Für Händler bedeutet das: Investieren in Kundenerlebnis, technische Integration von KI und klare Nachhaltigkeitskommunikation, sonst droht das Abgehängtwerden in einer konsolidierenden Branche.



